Dass sich zwei Dutzend Jugendliche an vier Tagen – einschliesslich des Wochenendes – freiwillig um acht Uhr morgens in einem Seminarraum einfinden, zeigt zweierlei Dinge. Einerseits ist die heutige Jungend möglicherweise noch nicht so verdorben, wie es von der Babyboomer-Generation genüsslich moniert und den Medien fleissig proklamiert wird. Andererseits spricht es Bände über die «Liberty Summer School» des Liberalen Instituts.
Aber beginnen wir von vorne. Voller Wissensdurst und Tatendrang fanden sich die 25 Teilnehmer am Donnerstagmorgen in Weggis am Vierwaldstättersee – unweit des sagenumwobenen Rütlis – ein, wo sie Institutsdirektor Olivier Kessler bereits erwartete und freundlich empfing. Egal ob es ein Kennenlernen oder Wiedersehen war, sofort entstand unter den Teilnehmern eine vom liberalen Geist gezeichnete Atmosphäre, die die Vorfreude auf rege Diskussionen und lehrreiche Gespräche befeuerte.
Um dem nicht länger im Weg zu stehen, versammelte sich die illustre Gruppe sogleich im Seminarraum, der während der Folgetage zum Hort freiheitlicher Ideen werden sollte. Damit eine ergiebige Debatte geführt werden kann, muss man das Gegenüber kennen. Wer sich also noch nicht bei der Begrüssung vertraut gemacht hatte, holte dies nun in der Vorstellungsrunde nach. Es offenbarte sich ein bunter Mix von Nachwuchstalenten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien, die allesamt das 30. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, lauschten die jungen Liberalen dem Einstiegsreferat von Olivier Kessler über die Grundzüge des Liberalismus. Bevor man sich anschliessend in die Diskussion stürzen konnte, ass man gemeinsam auf der Terrasse des Hotels Alexander vor der atemberaubenden Innerschweizer Bergkulisse.
Auch bei den Referenten scheute das Liberale Institut keine Mühen, um den Teilnehmern eine erstklassige Auswahl zu bieten. Den Auftakt am Nachmittag machte Carlos A. Gebauer, Rechtsanwalt und stellvertretender Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft, mit einer kurzen Geschichte des Liberalismus und einem seiner Wegbereiter: Frédéric Bastiat. Die Gesellschaft teilte sich sodann in kleinere Gruppen, um vom Vortrag inspiriert über aktuelle Fragen der freiheitlichen Politik zu diskutieren und die Erkenntnisse anschliessend mit dem Plenum zu teilen.
So ging es die nächsten Tage weiter; ein Wechselspiel zwischen Input-Referaten über liberale Denker und angeregten Debatten über deren Ideen. Ob Prof. Thorsten Polleit über Ludwig von Mises, Prof. Stefan Kooths über Friedrich August von Hayek, Philipp Dammer über Ayn Rand oder Thomas Jacob über Murray N. Rothbard sprach, einig waren sich die Teilnehmer nie. Besonders hitzig wurden die freien Diskussionen über Armee und Bildung und nach der Präsentation von Titus Gebel über freie Privatstädte.
Doch ungeachtet dessen erholte man sich danach gemeinsam im Spa-Bereich des Hotels oder trank ein Bier auf der Terrasse, wo die Gespräche teilweise bis tief in die Nacht andauerten. Kein Wunder also, vergingen die Tage in Weggis wie im Flug. Schon war der letzte Abend gekommen und die inzwischen verschworene Gesellschaft versammelte sich im Hotel, um die Liberty Summer School mit einer Bootsfahrt auf dem Vierwaldstättersee ausklingen zu lassen. Inmitten der roten Abendsonne und dem blaugrünschimmerndem Wasser reflektierten die Teilnehmer und Referenten die vergangenen Tage und schmiedeten Pläne, um die neu gewonnenen Freundschaften auch nach der Sommerakademie zu erhalten.
Der Zauber der Atmosphäre widerspiegelte sich im Überraschungsgast, den Olivier Kessler für den Abend organisiert hatte. Der Mentalist Severino Negri verblüffte die Anwesenden mit seinen Tricks und brachte so die Summer School zu einem gelungenen (fast) Abschluss. Am nächsten Morgen rundete Kessler die liberalen Überlegungen der vier Tage mit einem Referat über konkrete Pläne für eine freiere Gesellschaft ab und entliess die Teilnehmer so – gerüstet mit liberalen Ideen – zurück in die Realität.
Genau darin zeigt sich, was das Institut und seine Sponsoren mit der «Liberty Summer School» zu erreichen sucht und schafft: Die Nachwuchsförderung, wie sie von Vertretern kollektivistischer Ideologien so erfolgreich praktiziert wird, auch für freiheitliche Ideen zu ermöglichen.
Gian Schäppi
Gian Schäppi, Redaktor beim Nebelspalter, war Teilnehmer der diesjährigen Liberty Summer School.
Wenn Sie an der kommenden Liberty Summer School vom 10.-13. Juli 2025 dabei sein möchten, bewerben Sie sich gerne hier.